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Gewinnen um zu verlieren – Der unsichtbare Weg in die Spielsucht 

Sie sind bunt, leuchten und mit jedem neuen drücken auf den „Repeat the bet“-Button hat man das Gefühl gleich den großen Jackpot zu knacken und als reicher Mann nach Hause zu gehen. Wenn alles nur so einfach im Leben wäre. Der unsichtbare Weg in die Spielsucht:

Es scheint so einfach zu sein. Ein bisschen Geld einzahlen und schon kann man mit ein ‚bisschen‘ Glück richtig viel Geld verdienen und sich eine schöne Zeit machen.
Glücksspiel ist und war schon immer ziemlich im Trend. Und auch ich war schon zwei Mal mit einem Freund im Casino, doch so richtig gecatchet hat mich das Ganze nicht. In fact sitze ich gerade hier in einem Casino, schaue einem Freund zu, wie er 50er für 50er in einem einarmigen Banditen verschwinden lässt und fange an über das Glücksspiel zu schreiben. Weil es mich irgendwie fasziniert wie man doch so naiv sein kann zu denken hier richtig reich zu werden.
Die Spritpreise und Mieten sind in die Höhe geschossen und damit ist auch das Glücksspiel für viele interessanter denn je geworden.
Denn auf den ersten Blick scheint es so eine einfache Lösung zu sein, mit einem kleinen Gewinn die steigenden Preise auszugleichen und endlich etwas sorgenfreier zu leben. Zumindest für ein paar Monate.

Eine rauchige und traurige Atmosphäre 

Irgendwie ist es für mich sehr schwierig, die Atmosphäre hier drinnen zu beschreiben. Jeder, der schon einmal in einer Spielhalle war, kann dies sicherlich nachvollziehen. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die es sich hier einmal im Jahr ‘gönnen’ hinzufahren und einen schönen lustigen Abend haben. Es gibt aber auch diejenigen, die sich an einen Automaten setzen. Einen 50-Euro-Schein hereinstecken und diesen für 1,50 Euro die Umdrehung herunterspielen, um dann frustriert an den nächsten zu gehen, nur um die Prozedur zu wiederholen.

Ich sitze gegenüber von meinem Freund und sehe die neidischen und teilweise verzweifelten Blicke der Spieler neben uns. Ich habe am Anfang des Tages einmal 20 Euro eingezahlt und mit ein paar Klickern einfach so verloren. Was man sich dafür eigentlich alles Schönes kaufen könnte, darüber will ich gar nicht nachdenken.

Dieses hart erarbeitete Geld, dass sich in einem Automaten innerhalb von Sekunden in Luft auflöst, tut mir unendlich weh und ich glaube, das tut es vielen, die hier sitzen. Doch die Wahrscheinlichkeit. Diese klitzekleine Wahrscheinlichkeit nun doch etwas gewinnen zu können, lässt viele einfach nicht aufhören.

In den letzten Stunden habe ich mich verstärkt gefragt, ob nicht vielleicht mein Freund auch dazu gehört. Ich weiß, dass er nicht zum zweiten Mal vor einem Automaten sitzt, so wie ich. Neben unzähligen Rubbellosen, von denen ich manchmal einen Snap bekomme, bis zu kleinen Spielhallen in irgendwelchen Hinterhöfen. Seine Karriere als Spieler scheint im letzten Jahr so richtig angefangen zu haben. Wie viel Geld da bereits flöten gegangen ist, weiß ich nicht, aber ich schätze den Betrag auf 3-stellig.

Auf die Frage, warum er eigentlich so oft spielt und dass es doch wirklich dumm ist weiterzuspielen, obwohl man nur die ganze Zeit verliert, antwortete er: „ich habe schon einiges verloren und ich will das wieder reinholen’.

Puhhh.

Da war ich erstmal sprachlos. Mir ist klar: Dieses Verhalten ist ziemlich sicher nicht mehr im Bereich des Normalen und ich muss dringend etwas dagegen machen.

Der eine Gewinn und der Teufelskreislauf der Hoffnung bis hin zur Spielsucht. 

Oftmals startet die klassische Spielsucht mit einem Gewinn und dem Versuch diesen noch einmal zu holen.
Was das Ganze so gefährlich macht, ist der fließende Übergang vom Spaß zur Sucht. Wie bei jeder anderen Droge auch und deshalb sollte es auch als diese behandelt werden.
Oftmals ist es aber so, dass man im Verlauf dieser Zeit so viel Geld verliert und sich der Wunsch des Gewinnens darauf beschränkt, das über die Zeit verlorene Geld wieder reinzuholen. Auch ich habe das erste Mal an einem Automaten aus 10 Euro Einsatz 60 Euro gewonnen. Mein Freund hatte seinen Gewinn erst am Ende des gemeinsamen Abends in der Spielhalle. Das klügste wäre nun einfach sich über diesen Gewinn zu freuen und keinen Automaten im Leben mehr anzufassen. Leider schaffen das die wenigsten. Denn wenn es einmal ging, warum sollte es nicht ein zweites Mal gehen? Und genau dann startet oft die klassische Spielerkarriere. Es geht inzwischen nicht mehr darum, etwas zu gewinnen, um mehr zu haben, sondern vielmehr darum, das Geld, welches man bereits verspielt hat, wieder reinzuholen.

Spielsucht: Ein Glücksspielautomat
Spielsucht: Ein Glücksspielautomat

Die Illusion der Kontrolle 

Zu den wenigen Spielen, die ich bis jetzt gespielt habe zählen Klassiker, wie Alles Spitze oder Book of Ra.
Während es einige Spiele gibt, bei denen sich der Gewinn alleine nur durch zufällige Kombinationen der Linien ergibt, existieren mittlerweile auch einige Spiele, bei denen man ein Risiko eingehen kann. So ist es möglich bei jeder Gewinnlinie sich entweder den Gewinn auszahlen zu lassen, oder ein Risiko einzugehen. Dieses Risiko kann in Form von Tippen der Farbe eine umgedrehte Karte eingegangen werden oder durch das geschickte und schnelle Drücken des „Repeat the Bet“ Buttons. Oftmals sehen solche Spiele dann nicht mehr nur noch Glücksspiel aus und es wird die Illusion geschaffen, die Kontrolle zu haben und durch Skills die Gewinnchance anzuheben. Das aber die Grundvorraussetzung für dieses Risiko wiederrum auf reinem Glück basiert, darf nicht vergessen werden.

In den Bann gezogen

Ich setze mich an einen Spielautomaten. Krame ein bisschen in meiner Hosentasche herum und finde einen 5-Euro-Schein. Zögerlich betrachte ich diesen. Die Automaten im Hintergrund dudeln vor sich hin. „Ach, was Solls, es sind nur 5 Euro“ denke ich und schiebe den Schein in den Automaten. Ich wähle irgendein Spiel aus, stelle den Einsatz pro Umdrehung auf 5 Cent und fange an zu drücken. Die ersten paar Umdrehungen passiert gar nichts, auch wenn mir der Automat jedes Mal durch die Soundeffekte suggeriert gleich den großen Jackpot zu gewinnen. Dann endlich. Ich habe eine Gewinnkombination. Allerdings nur mit 10 Cent Gewinn. Enttäuschend. Ich überlege mir kurz, ob ich den Gewinn annehmen soll, oder ob ich das Risiko spielen soll. Ich entscheide mich schließlich für das Risiko. Mit einer beeindruckenden Animation wechselt der Automat unter lautem „Singen“ den Bildschirm. Die LEDs an der Seite blinken, wie verrückt. Reizüberflutung der anderen Art. Ich sehe nun eine Leiter vor mir, die nach oben hin immer höhere Zahlen anzeigt. Schnell werden in gleichem Abstand die erste Zahl auf der Leiter und die 0 ganz unten markiert. Jetzt muss ich drücken, und zwar im richtigen Moment, denn sonst ist im Moment des Drückens die 0 markiert und ich gewinne nichts. Wie gebannt starre ich auf den Automaten und fühle mich wie im Rausch. Und plötzlich scheint alles vergessen zu sein. Meine Umwelt nehme ich gar nicht mehr so wahr. Der Automat ist das einzige, was mich noch interessiert und ich bin wie im Bann. Ich drücke. Verdammt, leider etwas zu spät. Die 0 war markiert und der Automat wechselt wieder in die bereits gewöhnte Oberfläche. Ich drücke weiter. Weiter und weiter und immer wieder wechselt der Automat von der einen zur anderen Oberfläche. Ein Ende hat das ganze, als sich die 5 Euro dem Ende zu neigen. Ich hoffe: ein kleiner Gewinn, sodass ich wenigstens noch einmal drücken kann. Nur noch ein einziges Mal. Doch bedauerlicherweise wird mein Wunsch nicht erhört. Die 5 Euro sind weg und ich werde mit einem Schlag zurück in die Realität geworfen. Zurück in den rauchigen Saal.

Dieser Artikel gehört zu einer Reihe von Artikeln über die Spielsucht. Mehr zu diesem Thema, unter anderem eine Fortsetzung der Geschichte und die mentalen Auswirkungen finden Sie in der Rubrik: Themenwoche über die Spielsucht.

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