Mindestens die Hälfte aller kardiovaskulären Krankheiten und Todesfälle lassen sich allein durch eine bestmögliche Umstellung des Lebensstils vermeiden – und das ohne eine einzige Tablette. Ein wahrhaft lohnenswertes Ziel.“ So fasst Prof. Dr. Helmut Gohlke vom Herzzentrum in Bad Krozingen die wesentlichen Aussagen der neuen Leitlinie „Risikoadjustierte Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen“ zusammen, für die er federführend für die Autorengruppe verantwortlich zeichnet. Die Leitlinie ist eine aktuelle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Zusammenarbeit und im Konsens mit dem Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK), der Hochdruckliga, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, der Deutschen Adipositas- Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Arterioskleroseforschung sowie dem Deutschen Kollegium für Psychosomatische Medizin Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Ursache für vorzeitige Invalidität und Tod. Wer hat ein erhöhtes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen?
  • Patienten mit atherosklerotischer Gefäßerkranung oder Diabetes mellitus
  • Verwandte von Patienten mit Gefäßerkrankungen
  • Personen mit mehreren mäßig erhöhten Risikofaktoren
  • Personen mit einzelnen stark erhöhten Risikofaktoren
Trotz der epidemologischen Bedeutung der kardiovaskulären Erkrankungen sind die Ereignisse – aus der Sicht des Individuums gesehen – relativ selten. Um Personenengruppen ohne Gefäßerkrankungen oder Diabetes mit einer überdurchschnittlichen Ereigniswahrscheinlichkeit zu identifizieren, ist deshalb eine Risikostrativizierung notwendig. Dabei werden alle Personen umfasst, da auch Patienten ohne bisheriges Ereignis ein vergleichbar hohes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen haben können. Was sind nun die Risikofaktoren, die zur Risikostratifizierung für alle Personen  herangezogen werden können? 1. Das Rauchen Ein Konsum von bis zu 20 Zigaretten/ Tag bewirkt, dass ein 50-jähriger Mann das kardiovaskuläre Risiko eines 60-Jährigen hat. Das Risiko vorzeitig zu versterben ist auf das 2,8-fache erhöht, Bei mehr als 20 Zigaretten / Tag steigt das Risiko auf das 4,2-fache. Auch das Rauchen von wenigen Zigaretten ist schädlich, denn jede einzelne Zigarette verkürzt das Leben um etwa 25-30 Minuten. Bei vollständigem Rauchverzicht kann mit einer Halbierung des kardiovaskulärem Risiko gerechnet werden. Nicht zu vergessen sind die Personen im Umfeld des starken Rauchers, die durch Passivrauchen ebenso ein erhöhtes Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen haben. 2. Körperliche Aktivität Zwischen körperlicher Aktivität und kardiovaskulärer Sterblichkeitsziffer besteht eine lineare, negative Korrelation. Die Zunahme der körperlichen Fitness um 1 MET ( `Metavolic Equivalen`, entspricht etwa um 15 Watt) führt zu einer Abnahme der Mortalität um 12 %. Der maximale präventive Effekt der körperlichen Aktivität wird bei einem Energieverbrauch von 3000 bis 3500 kcal/Woche erreicht, das entspricht einer Trainingsdauer von 6-7 Stunden auf mittleren Niveau. Aber auch bei leichter Trainingsintensität ist ein prognostischer Nutzen nachweisbar. 3. Ernährung Die Kost sollte reich an einfach ungesättigten Fetten und an Omega-3-Fettsäuren sein. Dementsprechend spielen Seefische, Vollkornprodukte, pflanzliche Öle und Nüsse, wie sie in der ursprünglichen mediterranen oder asiatischen Kost enthalten sind, eine wichtige Rolle bei der Risikominimierung von Herz- und Kreislauferkrankungen. Mit der ursprünglichen mediterranen Ernährung wird die kardiovaskuläre Ereignisrate unabhängig von den Cholesterinwerten bei Patienten nach Herzinfarkt um bis zu 45% reduziert. Nicht zu vergessen ist, dass die mit einer gesunden Ernährung einhergehende Gewichtsreduktion das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen ebenso schmälert. Fazit: Bei der Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen spielt die Umstellung des Lebensstils eine sehr wichtige Rolle und je früher man damit beginnt um so mehr mindert sich nachweislich das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse. Der vollständige Text der neuen Leitlinie „Risikoadjustierte Prävention von Herz- und Kreislauferkrankungen“ findet sich auf der Website der DGK (Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – http://leitlinien.dgk.org).