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Psychotherapeuten und ihr Beruf: Burnout oder Zufriedenheit? – Teil 1

Die Zufriedenheit und das emotionale Wohlbefinden von Psychotherapeuten ist für die Qualität deren Arbeit von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Das bestätigt die Psychotherapieforschung (vgl. den hierzu im Therapeutenkatalog veröffentlichten Artikel „Der Psychotherapeut im Fokus der Psychotherapieforschung“). Gesundheit im Sinne eines emotionalen, psychischen und physischen Wohlbefindens ist aber nichts, was man für immer besitzt oder nicht, kein statischer, sondern ein aktiver Vorgang, eine ständige Auseinandersetzung mit der Umwelt und der eigenen Person und somit ein dauerhafter, interaktiver Prozess (siehe z.B. Antonovsky, 1997). Diese erforderliche Balance ist nicht nur eine ständige Herausforderung, sondern auch eine Chance, die eigene Gesundheit im Blickpunkt zu halten und den hilfesuchenden Klienten mit dem zu begegnen, was sie verdienen: einem der Gesundheit und dem emotionalen Wohlbefinden zustrebenden Therapeuten, für den es wichtig und natürlich ist, diese Balance täglich neu herzustellen. In meinem ersten hier erschienenen Artikel wurde dargestellt, dass der Therapeut als Person maßgeblich am Erfolg der Therapie beteiligt ist und wie: ein essentieller Bestandteil seines positiven Effekts auf das Ergebnis liegt in seinem eigenen Wohlbefinden. “The mental health of psychotherapists [is] instrumental in their work” (Deutsch, 1985, S.305, Übersetzungen der englischen Zitate am Ende des Artikels). Die Forderung an die Therapeuten, ihr Wohlbefinden zu stärken führt automatisch zu einer wichtigen Frage: Durch welche Belastungen sind Therapeuten denn in ihrer für sie essentiellen stabilen psychischen Verfassung gefährdet? Und wie stark fühlen sich Psychotherapeuten in ihrem Beruf überlastet, inwiefern bringt er ihnen aber auch Freude und Erfüllung, die dann wieder ausgleichend auf die Gesundheit und das Wohlbefinden wirken können? Anhand von Forschungsergebnissen, die bisher zum Wohlbefinden bzw. zu den Belastungen von Psychotherapeuten durchgeführt wurden, wird in diesem Artikel zusammengefasst, wie es um den Berufsstand der Psychotherapeuten steht. Und in der Studie von Reimer (2005) kommen dabei auch die Ärzte nicht zu kurz. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Suizidrate in diesem Berufsstand besonders hoch ist. Ein Blick auf die Ressourcen, mit denen diese profesionellen Helfer ihrem fordernden Alltag begegnen, folgt in einem weiteren Artikel, der diese Reihe beendet. Die Reihenfolge der erscheinenden Artikel zeichnet auch die historische Theorieentwicklung nach (Gussone & Schiepek, 2000). Ausgebranntsein vs. Zufriedenheit von Psychotherapeuten in ihrem Beruf Die Befindlichkeit von professionellen Helfern ist als Thema der wissenschaftlichen Psychologie nicht neu. Nachdem schon Freud von einem „unmöglichen Beruf“ sprach, wurde die Forschung maßgeblich von Schmidbauer (1977) angestoßen. Nach der begrifflichen Einführung des von ihm geprägten Helfer-Syndroms, folgte eine lange Reihe an Publikationen, welche die „Unmöglichkeiten“ helfender Berufe zu Bewusstsein brachten. Es wurde von der „strukturellen Selbstüberforderung“ (Müller, 1985) gesprochen und darüber diskutiert, wie man „als Helfer überleben“ (Gildemeister, 1983) kann. Das Thema Hilflosigkeit und die Überforderung professioneller Helfer brachte Anfang der 1980er eine große Menge an Literatur hervor, welche dessen Relevanz für Forscher und Praktiker gleichermaßen deutlich werden ließ (vgl. Schmidbauer, 1977, 1983; Gildemeister, 1983; Müller, 1985; Peick & Klawe, 1981; Bader, 1985). Zu dieser Zeit wurde in den USA der Begriff „Burnout“ eingeführt. Ende der 1980er fand dieser auch zunehmend Eingang in die deutschsprachige Literatur, und mit ihm ein besseres Verständnis von Stress als dessen Schlüsselphänomen (Burisch, 1989). Das Stressmodell von Lazarus, welches im Moment theorieleitend ist, weist den subjektiv antizipierten Ressourcen des Einzelnen die entscheidende Bedeutung bei der Entstehung von ungesundem Stress zu. Es ist also nicht entscheidend, welche Herausforderungen auf jemanden zukommnen, und auch nicht, welchen er sich gegenübersieht, sondern welche Ressourcen ihm seiner Meinung nach zur Verfügung stehen (siehe z.B. Lazarus & Launier, 1981). Ich möchte hier nur am Rande erwähnt haben, dass diese Feststellung auch viel zu der Entwicklung einer ressourcenorientierten Psychotherapie beigetragen hat, in der es vielmehr darum geht den Klienten in seinen Fähigkeiten zu stärken und ihm Möglichkeiten zu erschließen, als seine Probleme zu wälzen, die dadurch in der subjektiven Vorstellung des Klienten eher größer und unüberwindbarer werden. In jedem Beruf, wie in jedem Leben, gibt es aber auch spezifische Belastungen von objektivem Charakter, auch im Bereich der Psychotherapie. So kommt einer der wichtigsten amerikanischen Forscher zu diesem Thema zu dem Schluss: „The effects of serving as a mental health professional are particulary apparent, and although some of these effects are positive, others are decidedly negative” (Mahoney, 1991, S.356). Autor: Keller Kathrin (Diplom-Psychologin & Heilpraktikerin für Psychotherapie) https://www.kathrin-keller.com/
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