von Dr. Thomas A. Frank

Thilo Sarrazins interkulturelle Entgleisungen, sowie die in jüngster Zeit gezeigte mangelnde interkulturelle Führungskompetenz von Guido Westerwelle während eines Interviews mit englischen Journalisten, oder Sätze in mehreren Wahlkämpfen über 10 Jahre des Ministerpräsidenten Rüttgers, wie etwa Deutschland braucht „Kinder statt Inder“, oder die Rede der „faulen Rumänen und gewürgten Chinesen“, machen deutlich, dass Deutschland ein massives und schweres Problem mit der Integration seinen Minderheiten hat. Der Film „Schwarz auf Weiß“ von Wallraff, ist demnach nur ein kleines Schlaglicht auf ein Phänomen, dass sich in der Bundesrepublik durch alle Gesellschaftsschichten zieht und auch heute, nicht an Aktualität verloren hat. Maximaler Aufwand durch pädagogische „Umerziehung“ durch die Frankfurter Schule, durch dem Wegbereiter an vorderster Front Theodor Adorno, der mit der Studie zum autoritären Charakter die Deutschen von Ihrem einseitigen Weltbild der besseren Rasse abbringen sollte, scheinen vor allem in Zeiten der zunehmenden Wirtschaftskrise Ihre Wirkung verfehlt zu haben.

So zeigen sich etwa in jüngster Zeit wieder heftige Aufrufe zu nicht notwendigen und „zu teueren“ Hilfs- und Heilmittel etwa Ergotherapie und anderer Heilmittel wie Logopädie und Physiotherapie. Hinter diesen Aussagen stehen oftmals populistische Aussagen, in der Hoffnung auf den Schultern einer sich nicht wehren könnenden Klientel Kosten einseitig zu sparen, die an einer anderen Seite wieder ausgegeben werden müssen (etwa in einer Kostenexplosion durch den Strafvollzug, dazu jedoch später).

Tatsache ist, das die Kosten für die Heilmittel, also Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zusammen nur rund 5% der gesamten Ausgaben im Gesundheitswesens ausmachen. Dies ist umso erstaunlicher, da es sich bei diesen Interventionen um direkte Interventionen, also mit direkter Ansprache an den Patienten, oder Kunden handelt. Diese Ansprache ist in der Nützlichkeit und Wirksamkeit bis jetzt wenig erforscht worden, jedoch liegen in einer Studie von Thomas Alexander Frank aus dem Jahr 2007 zur Wirksamkeit der ergotherapeutischen Intervention bei Kindern im Alter von 3- 12 Jahren, erste positive Ergebnisse vor. Wichtig ist jedoch vielmehr auf die direkte Ansprache einzugehen, mit dieser direkten Ansprache, kann der Dialog mit unterschiedlichen Familie hergestellt werden. Was wir hierbei unter schwierig definieren, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter diskutieren, jedoch sehen wir in und aus unserer Praxis, das wir mit dem niedrigschwelligen Interventionsverfahren der Ergotherapie, gerade oder deshalb sehr gut in die Familien einwirken können, weil wir nicht mit „weißem Kittel“, dem Attribut Jugendamt oder Jugendfürsorge auftreten. So könnten wir selbst schwierige und „Beratungsresistente“ Väter überzeugen, mehr für Ihre Kinder zu tun und sie etwa durch eine intensivere Form der Beschulung zu unterstützen. Bei ausländischen Familien, liegt die Problematik oftmals weitaus tiefer, den durch die bereits erwähnte Resignation in vielen Familien, durch versäumte oder mangelhafte Integrationspolitik, haben viele Ausländer das Vertrauen in den deutschen Staat, sowie seine Organe verloren. Dies umso mehr, da sich in Zeiten der wirtschaftlichen Anspannung, eine Spannung zeigt, die einem ausländischen Mitbürger eine bessere Stellung nicht unbedingt gönnt. Dies zeigt sich dann unter anderem in Familiengerichtlichkeit, der allgemeinen Gerichtbarkeit, jedoch auch am Arbeitsplatz und im sozialem Leben. Von daher sind wie die Autorin Noah Sow in einem Tagesschau Interview am 19.Oktober 2009 aufführte, die Erkenntnisse von Wallraff nicht neu, sondern die deutsche Gesellschaft, wollte jahrelang dieses Thema nicht wahr haben. Noch während des amerikanischen Wahlkampfs um den spätern Präsidenten Obama, waren in Deutschland laute Stimmen zu vernehmen, die genau wussten, dass die amerikanische Gesellschaft noch nicht bereit sei für einen schwarzen Präsidenten. In der Bundesrepublik Deutschland, sollten wir uns mit der Situation auseinandersetzen, dass wir aus geostrategischen Gründen, schwerer eine kulturelle Vielfalt in einer Person zusammenfassen können, wie der amerikanische Präsident. Jedoch sollten wir die Menschen die bereits in unserem Boot sind, so fördern, damit sie die optimalen Leistungen erbringen können um danach fordern zu können, etwa in Form von Steuernzahlen. Genau dies wird jedoch im Moment nicht getan, wir fördern unsere Migranten nicht, dies sehen auch Migranten, die Sarrazin gerne als Wissenschaftler etwa durch Graduierten Ausbildungsprogramme, oder Goethe Institut Aufenthalte bei uns aufnehmen würden, wenn nicht sogar aus Demoskopischen Gründen aufnehmen müssen. Diese Hochqualifizierten Personen aus der ganzen Welt können wir mit unserer derzeitigen Politik und Struktur in Deutschland nicht halten. Zu unattraktiv und bürokratisch, sowie fremdenfeindlich ist unsere Kultur in Deutschland. Aus eigener Erfahrung die natürlich keinen repräsentativen Anspruch erheben kann, konnte ich in meiner eigenen Studienzeit ca. 100 Akademiker im Vorbereitungskurs des Goethe Instituts Mannheim über ca. 10 Jahre begleiten. Ausnahmsweise alle Personen, waren hochqualifizierte Spezialisten, die in Ihren Heimatländern studiert hatten und zur Promotion nach Deutschland kamen. Von diesen hundert Personen, ist heute knapp zwanzig Jahre später keine einzige Person mehr in Deutschland. Sie alle haben Deutschland, das sie als Studienort gewählt hatten, weil sie in Ihrer Heimat begeistert wurden, durch Goethe Institut und Siemens, sowie Technik und den Nimbus vom Land der „Dichter und Denker“ verlassen, weil die Wirklichkeit die sie in Deutschland vorfanden, mit dem Bild das sie in der Heimat vermittelt bekamen nicht übereinstimmte.

Bereits der frühere amerikanische Außenminister Rumsfeld, nannte Europa „Old Europe“. Deutschland führt in der Bezeichnung „Old“ den Zug an, wenn auch andere Länder, wie Italien und Spanien in Ihrer Integrationsleistung schlechter sein mögen, fallen sie nicht ins Gewicht, da Deutschland die stärkste Wirtschaftsmacht in Europa stellt.

Unter diesen Vorgaben also, scheint eine Mehrausgabe von Heilmitteln, vor allem für die Sprachförderung und wie bereits erwähnt die Ergotherapie dringend geboten. Dabei scheint vollkommen unerheblich, welcher Kostenträger schlussendlich für die Kosten aufkommt, den auch in diesem Fall wissen wir, das selbst Eltern, die Ihre Kinder einer guten Förderung zukommen lassen wollen und Geld vorstrecken, oftmals im „Behördendschungel“ untergehen, weil nicht motivierte Beamte, Ihre Unterlagen „verlegt“ haben, oder schlichtweg unmotiviert sind sich um die Belange der Menschen zu kümmern. Und spätestens hier kommt wieder eine der großen Kritiken an den Darsteller Günther Wallraff, der mit einem Film und geschminkt wie ein Clown und mit einem Wohnmobil auf dem Campingplatz, Erfahrungen ethnischer Minderheiten machen möchte. Wer nicht selbst einmal die Ausländerbehörde in Berlin Wedding (im Industriegebiet, mit Bushaltestelle in 30 minütiger Entfernung, getrennt durch einen Kanal und Zulassungskontrolle durch einen Wachschutz) gesehen und erlebt hat, sollte sich mit einem solchen Thema erst dann beschäftigen, wenn er weis worüber er spricht wenn er anfängt zu reden und genau das weis Wallraff nicht. Wir sollten in der Bundesrepublik nicht warten, bis Morde, wie der an Dominik Brunner in der Münchner S-Bahn zur Normalität werden. Niemand und vor allem kein Politiker, sollte später sagen können er hätte es nicht gewusst, die Kapazitäten stehen bereit und sind sehr kostengünstig. Strafvollzug als Rehabilitation ist sehr teuer, schafft einer kleinen schlecht ausgebildeten Klientel Arbeitsplätze und ist weitaus anstrengender als Prävention. Unter Umständen mag auch die schlechte Vergütung von Fachpersonal ein Grund sein, das wir immer schlechteres Personal in sozialen und medizinischen Einrichtungen finden. Man mag sich manchmal wundern über sowenig Einsicht mancher Menschen, jedoch sollten die Politiker die über hohe Kosten im Gesundheitswesen sprechen, erkennen, das in den letzten zehn Jahren in den Heilberufen keine Vergütungsanpassung stattgefunden hat. Dies heißt, dass ein Ergotherapeut, oder eine Logopädien, heute doppelt soviel arbeiten muss als vor zehn Jahren um das gleiche Geld zu verdienen und das muss sie, den die Kosten für Miete etc. steigen natürlich kontinuierlich an. Wie gesagt, es ist für meine Begriffe manchmal unglaublich wie wenig manche Menschen sehen können. Aus meiner eigenen Erfahrung in einem neu aufgebauten (modernsten Unfallkrankenhaus Europas), konnte ich Situationen auf der Intensivstation erleben, in denen über achtzig jährige Männer geweint haben, weil sie keine Ansprache hatten und die jungen vollkommen unerfahrenen Krankenschwestern mit Ihrer Tätigkeit vollkommen überfordert waren. Gute Medizin sieht so nicht aus und gute Förderung auch nicht. Zurück kommend auf schwierige junge Menschen mit Migartions Hintergrund, sind Sozialpädagogenstellen mit jungen unerfahrenen Frauen demnach genauso fehlbesetzt, wie spät berufene Türsteher oder Boxer, die an einem späten Punkt in Ihrem Leben feststellen, das sie schwierigen Kindern oder Jugendlichen helfen möchten, jedoch ohne profunde pädagogische, medizinische, soziologische und psychologische Ausbildung. Der einzige Ausweg aus dieser Situation ist eine bessere Ausbildung und Vergütung, um gut ausgebildete Spezialisten in den sozialen und medizinischen Berufen halten zu können. Genau das passiert laut einer unveröffentlichten Studie von Dr. Thomas Alexander Frank aus dem Jahr 2004 jedoch nicht. In der qualitativen Studie stellte sich heraus, das die meisten Personen nach spätestens sechs Jahren nicht mehr in dem Beruf tätig waren und nach Familienpausen auch nicht mehr in den Beruf zurück kehrten.

In der aktuellen Lage scheint es schwierig zu sein, anspruchsvollen Jugendlichen als Vorbild zu dienen, wenn es wie selbst erlebt Erzieher gibt, die stolz darauf sind, erst um 9.30 aufzustehen um frühestens 1.00 bei der Arbeit zu sein. Ergotherapeuten und Erzieher sollten als Vorbilder für Kinder und Jugendliche dienen können. Dafür braucht es jedoch gereifte Persönlichkeiten und eine angemessene Vergütung. In diesem Sinne gibt es keine schwierigen Jugendlichen, sondern lediglich fähige oder unfähige Pädagogen. Wenn wir jedoch in der Vergütung nicht mehr tun, werden wir einen Anstieg an Jugendkriminalität in den unterschiedlichsten Formen erleben. In der jetzigen Zeit haben jedoch unterschiedliche Lobbygruppen Interesse an Aufstockung der finanziellen Mittel, etwa die Bundeswehr. Es ist jedoch nicht zuviel gesagt, das wir mit großen Mittel den Frieden am Hindukusch nicht herstellen werden, mit kleinen Mitteln jedoch den Frieden in unserer Gesellschaft zumindest in der Integration unserer ausländischen Mitbürger stabilisieren können.

Autor:

Dr. Thomas A. Frank, Berlin
Dr. Frank & Partner Ergotherapeuten

Goltzstr. 52, 10781 Berlin – Schöneberg
Akademiestr. 19, 80799 München
https://www.ergotherapie-frank.de/